Rentenlücke für Väter in Elternzeit bei der Deutschen Rentenversicherung

Rentenlücke für Väter
Vater sein - mit Herz, Kopf und Bauchgefühl

Die Rentenlücke für Väter in Elternzeit ist neben der Anmeldewoche einer der wichtigsten Punkte die man bei der Väterzeit beachten sollte.

Denn als Mann riskiert man eine Versorgungslücke bei der Deutschen Rentenversicherung, wenn man nicht vorausschauend handelt.

Darum sollte man sich als Vater in Elternzeit unbedingt und direkt mit der Rentenversicherung in Verbindung setzen um eine Lücke zu verhindern.

Hierbei sind zwei mögliche Stolperfallen für den engagierten Papa zu bedenken:

  • Die Rentenlücke aus ein bis zwei Monaten Elternzeit (erster Teil)
  • Die Rentenlücke aus drei und mehr Monaten Elternzeit (zweiter Teil, siehe unten)

Erster Teil der Rentenlücke für Väter

Die Rentenlücke für Väter bei ein bis zwei  Monaten Elternzeit

Diesen kurzen Einschnitt in die Erwerbsbiografie kann man sicherlich verkraften. Dennoch solltest du daran denken, dass deine Elternzeit, wenn sie parallel zur Elternzeit der Mütter läuft, nicht als Beitragszeit gerechnet werden.

Das heißt für dich, wenn sich an der aktuellen Rentengesetzgebung nichts ändert und du vor dem 67. Lebensjahr eigentlich 45 Beitragsjahre gesammelt hast, musst du die zwei Monate Elternzeit noch „nacharbeiten“. Sie zählen also nicht zur Beitragszeit.

Du hast allerdings den Vorteil, dass du zwei Monate mit deinem Kind verbringen kannst. Zu der Zeit, in der dir die Bindung vom Kind zum Vater noch einfach geschenkt wird.

Dennoch gibt es die Möglichkeit die Versorgungslücke für Väter und das Beitragskonto bei der Deutschen Rentenversicherung aufzufüllen.

 

Die Beantragung von Kindererziehungszeiten durch den Vater

Als Vater in Elternzeit hat man die Möglichkeit bei der Rentenversicherung die Anrechnung der Kindererziehungszeiten zu beantragen.

Die Lücke bei der Rente aus ein bis zwei Monaten Elternzeit

Wie funktioniert das? Eigentlich ganz einfach. Es ist nur zu beachten, dass die Versorgungswerke davon ausgehen, dass die Frauen zu Hause bleiben und man ihnen grundsätzlich die Erziehungszeiten anzurechnen hat.

Genauso ist das auch bei der Deutschen Rentenversicherung.

Darum ist es besonders wichtig, dass der Antrag vom Vater auf Feststellung von Kindererziehungszeiten / Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung frühzeitig gestellt wird.

Im Formular V0800  und V0805 (Zusatzfragebogen zur Kindererziehung) bestätigen Vater und Mutter dass der Vater die überwiegende Erziehungsarbeit leistet. Das sollte man natürlich nur machen, wenn die Frau z.B. nach 12 Monaten wieder arbeiten geht und man selbst dann die nächsten Monate für den Nachwuchs sorgt. Denn letztlich kann nur ein Elternteil das Kind überwiegend erziehen.

Es ist unbedingt darauf zu achten den Rentenversicherer vor der Elternzeit darüber zu informieren, dass man als Mann die Versicherungszeiten beantragt. Wenn man dieses zu spät macht, ist man auf die Kulanz des Sachbearbeiters angewiesen. Man sollte es aber in genanntem Fall immer probieren. Mir selbst ist man auch entgegengekommen.

Zweiter Teil der Rentenlücke für Väter (drei Monate und länger)

Versorgungslücke von Vätern in Elternzeit wenn sie sich die Kindeserziehungszeiten während ihrer Väterzeit nicht anrechnen lassen
Rentenlücke für Väter in Elternzeit

Auch für Väter geht es um die Anrechnung von drei Jahren Kindererziehungszeiten

Zwei Monate sind zu verkraften aber was ist mit drei Jahren? Bei drei Jahren Lücke in Papas Rentenversicherungsverlauf sieht das schon ganz anders aus.

Dennoch, auch wenn man sich erst nach dem Beginn der Elternzeit beim Rentenversicherungsträger meldet: Bitte immer freundlich bleiben!

Zusätzlich gilt Widerspruchsfristen beachten und gegebenenfalls Rechtsbeistand anfordern!

Also bitte möglichst vor der Väterzeit den Antrag auf Feststellung von Kindererziehungszeiten / Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung stellen.

Das Formular V0800  und V0805 (Zusatzfragebogen zur Kindererziehung) sind die Mittel der Wahl. Alternativ einen Dreizeiler als Einwurfeinschreiben in dem ihr auf die „Ausnahmesituation“ (sorry, ist leider heute immer noch so…) hinweist und um Zusendung der Formulare bittet.

Und nun kommt die dicke Stolperfalle für Väter in Elternzeit die die Kindererziehung übernehmen.

Unbedingt mit dem Rentenversicherungsträger in Verbindung bleiben!

Väter in Elternzeit müssen sich vor und nach der anrechenbaren Kindererziehungszeit bei der Rentenversicherung melden und diese mit der Partnerin bestätigen.

Was heißt das?

Mit dem Antrag zur Anrechnung von Kindererziehungszeiten sollte immer die Bitte verknüpft sein, den Eingang zu bestätigen. Ich selbst habe erlebt, dass der Antrag nicht wiedergefunden wurde.

Zusätzlich müssen die Eltern die Erziehungszeiten für den Vater nach den drei Jahren noch einmal bestätigen. Das ist sehr wichtig, denn in der Zwischenzeit könnten sich die Eltern ja getrennt haben oder es könnte andere Gründe geben warum dem Vater diese Zeiten nicht mehr zustehen.

Hier sehe ich – neben der rechtzeitigen Anmeldung das besondere Problem für den Vater. Wenn er z.B. aufgrund von Scheidung (was ja leider vorkommt) die Erziehungszeiten nicht mehr nachträglich bestätigt, sind sie erst einmal bei der Frau.

Der Rechtsweg steht natürlich offen.

Auch darum sollte man nicht versäumen den Antrag rechtzeitig zu stellen. Denn als Vater ist man neben dem Rentenversicherungsträger auch immer auch von der Mutter abhängig.

Da aber in einer Elternzeit hauptsächlich eine kleines Wesen abhängig ist und gut betreut werden muss, sollte man diese bürokratischen Hürden gemeinsam nehmen und sich gemeinsam auf das Wesentliche konzentrieren.

Viel Spaß dabei.

Nachtrag 20.02.2016: Heute kam der Bescheid. Die Erziehungszeiten von unserem Erstgeborenem wurden mir angerechnet. Knapp drei Jahre nach Antragstellung.

Im oberen Teil habe ich geschrieben, dass man sich den Eingang  der Anträge zur Anrechnung der Erziehungszeiten von den Rentenversicherungsträgern bestätigen lassen soll. Auf diese Bitte wurde von Seiten der Behörde jedoch keine Rücksicht genommen.

Unterschiedliche Rentenversicherungsträger von Vater und Mutter

Worauf ich im oberen Teil (aufgrund von Unkenntnis) aber nicht hingewiesen habe ist, dass man den Antrag sowohl bei dem Rentenversicherungsträger der Frau als auch dem Versicherungsträger des Mannes beantragen muss.

Denn vor etwa einem halben Jahr kam vom Rentenversicherungsträger meiner Frau (Deutsche Rentenversicherung Bund) die komplette Anfrage noch einmal.

Mein Rentenversicherungsträger (Deutsche Rentenversicherung) hatte auf meinen Antrag zur Kontenklärung nun erst die Informationen mit den kompletten Anträgen an den Rentenversicherungsträger meiner Frau weitergeleitet.

Also mussten wir alle Anträge noch einmal bei dem Träger meiner Frau einreichen, obwohl wir beide zusammen vorher den Antrag  bei meinem Rentenversicherungsträger gestellt haben.

Wenn wir uns jetzt nach drei Jahren nicht mehr einig wären (z.B. Trennung, kommt ja auch nicht selten vor) hätte ich den Rechtsweg einschlagen müssen. Ob man dafür das Geld und den Kopf nach einer Trennung hat ist nicht zu 100% sicher.

Darum rechtzeitig eine gemeinsame Erklärung abgeben und spätestens nach Ablauf der ersten drei Lebensjahre die Erziehungszeiten anrechnen lassen. Denn als Mann muss man in dieser Beziehung leider einer Benachteiligung entgegenwirken.

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Väter in Elternzeit und in Väterzeit haben eine Lücke in der Rentenversicherung
Achtung Papa!

 

 

4 Kommentare

  1. „Zusätzlich müssen die Eltern die Erziehungszeiten für den Vater nach den drei Jahren noch einmal bestätigen.“ Wie soll das denn vonstatten gehen? Gibt es da auch ein Formular?

    • Hallo, wie schon im Impressum beschrieben, kann ich keine rechtssicheren Aussagen treffen, sondern nur darüber schreiben welche Erfahrungen wir gemacht haben.
      Darum empfehle ich eine Kopie vom ersten Antrag zu machen (das habe ich zwar auch nicht, mir war aber auch nicht klar, dass ich alles noch einmal machen musste).
      Am Ende der Elternzeit mussten wir noch einmal alles bestätigen. Das heißt, die gleichen Formulare noch einmal ausfüllen. In unserem Fall zweimal, weil wir – wie oben beschrieben – unterschiedliche Rentenversicherungsträger haben. Die Rentenversicherung will also wissen, ob alles so gelaufen ist wie im Erstantrag beschrieben. Bei uns passte der Erstantrag von den Formulierungen her nicht und darum haben wir ihn handschriftlich vervollständigt (deshalb auch besser kopieren).
      Bei den Anrechnungszeiten für unser zweites Kind läuft es genauso. Erst einmal alles ausfüllen und jetzt einfach warten, bis die Zeit vorüber ist und später dann anfragen ob die Anrechnungszeiten mir zugeschrieben sind. Das wird dann bestimmt noch einmal verneint und ich muss es mit zwei gleichen Formularen noch einmal bestätigen;-)
      Für euch eine gute Zeit

  2. Hallo Carsten,

    zunächst finde ich es gut, dass Du eine Website erstellt hast, die auf ein Problem für uns Väter hinweist. Ich selber hatte ein ähnliches Erlebnis. Bei mir ist leider sehr viel schief gelaufen bei der Beantragung der Erziehungszeiten.

    Ich hatte ebenfalls das Problem, dass unsere Erklärung über die Zuordnung der Kindererziehungszeiten verloren gegangen ist!

    Aber der Reihe nach! Als unser erstes Kind zur Welt kam erhielt meine Frau ein Schreiben von der Rentenversicherung mit Informationen zur Erziehungs- bzw. Berücksichtigungszeit. Dies Schreiben hat sie mir leider nicht gezeigt, sondern hat mir mündlich erzählt was in dem Schreiben stand. Leider habe ich damals nicht genauer nachgefragt und habe ehrlich gesagt den Kopf nicht frei gehabt, schließlich stand unser Kind im Mittelpunkt und man hatte eine komplett andere Lebenssituation in den Griff zu bekommen.

    Da meine Frau gut ausgebildet ist und wir beide einen ähnlichen Verdienst haben, war es bei uns egal wer hauptsächlich arbeiten geht bzw. sich um die Kinder kümmert. Für uns war es damals die beste Lösung, wenn meine Frau hauptsächlich arbeiten geht, da ihr Job damals sicherer war als meiner.

    Meine Frau hat darauf gedrungen, dass wir obige Erklärung abgeben. Ich hatte wie gesagt den Kopf nicht wirklich frei gehabt und habe nicht alles verstanden bzw. meine Frau hat mir nicht alles gesagt – ich kann dies nach so vielen Jahren nicht mehr genau nachvollziehen! Fakt ist wir haben die Erklärung für die Erziehungszeit abgegeben. Die anschließende Berücksichtigungszeit haben wir laut Erklärung meiner Frau zugeordnet, weil meine Frau der Auffassung war, dass diese Zeit finanziell nichts bringt und somit nur Zeit ist, die angerechnet wird. Ich habe diesen Sachverhalt zweimal bei meiner Frau erfragt, meine Frau war sich sicher in diesem Sachverhalt, so dass ich hier nicht weiter nachgehakt habe.

    Wir sind mit der Erklärung zu einem hier ansässigen „Rentenberater“ gegangen. Dieser Herr hat unseren Antrag entgegengenommen und an die Rentenversicherung weitergeleitet. Er hat übrigens keine Kopie erstellt davon, was mir damals ein wenig merkwürdig vorkam, da ich aber bald darauf von der Rentenversicherung Formulare zur Kontenklärung erhalten hatte und später einen Rentenbescheid, dachte ich es sei alles in Ordnung. Außerdem hat er nicht weiter nachgefragt bzw. darauf hingewiesen warum die Berücksichtigungszeit bei meiner Frau zugeordnet wurde.

    Ein paar Jahre später kam unser zweites Kind zur Welt. Hier der gleiche Ablauf wie oben beschrieben. Allerdings hat meine Frau mir diesmal das Schreiben gezeigt. Leider war dies Schreiben völlig anders formuliert als das erste Schreiben, welches ich erst viel später(zu spät) gelesen habe.

    In diesem Schreiben stand geschrieben, dass derjenige die Kindererziehungszeiten erhält, der überwiegend die Erziehung leistet. Es stand leider nichts davon drin, dass die Frau grundsätzlich bzw. automatisch die Zeiten erhält. Ich sah daher keine Veranlassung eine Erklärung abzugeben, weil ich den überwiegenden Anteil Erziehungsarbeit geleistet habe (Frau in Vollzeit, ich in Teilzeit). Meine Frau hatte zwar noch mal auf die Möglichkeit hingewiesen die Erklärung abzugeben, aber ich bin darauf nicht eingegangen, weil mir entsprechende Informationen fehlten und weil mir die Sache mit der Berücksichtigungszeit merkwürdig vorkam.

    Übrigens hat es eine ganze Weile im Nachhinein gebraucht, um sich daran zu erinnern ob meine Frau mir dies Schreiben gezeigt hat oder nicht, da es einige Jahre später erst wichtig wurde.

    Die Zeit ging ins Land und erst einige Jahre später meldete sich die Rentenversicherung. Ich sollte mehrere Formulare ausfüllen. Ich wusste ehrlich gesagt nicht genau was von mir verlangt wurde, weil ich doch schon obige Erklärung abgegeben hatte. Da ich zu diesem Zeitpunkt sehr im Stress war, weil einige private Dinge zu organisieren waren und auf der Arbeit ebenfalls viel Stress war, habe ich das Schreiben beiseite gelegt und wollte es später in Ruhe bearbeiten. Dummerweise hatte sich meine Situation über mehrere Monate nicht geändert und zusätzlich wurde meine Mutter schwer krank. Ich kam einfach nicht dazu dies Schreiben zu bearbeiten bzw. bei der Rentenversicherung anzurufen.

    So kam es, dass meine Frau von der Rentenversicherung Post bekam mit Unterlagen zur Kontenklärung. Sie füllte diese Unterlagen ziemlich spät aus, weil auch sie beruflich eingespannt war. Kurz vor Ende des Abgabetermins sagte sie mir, dass bei den Erziehungszeiten etwas falsch gelaufen sein muss (hier muss ich zur Erklärung einschieben, dass meine Frau überzeugt war, dass mir nur Zeiten mit obiger Erklärung zugeordnet werden können). Ich nahm daraufhin Kontakt mit der Rentenversicherung auf und wollte wissen was es mit der Erziehungszeit bei mir auf sich hat. Am ersten Tag war ein Serverabsturz, so dass keine Verbindung zustande kam. Am Tag danach wurde ich zu einem Herrn durchgestellt, der mir leider nicht viel weitergeholfen hat, weil er keine Akteneinsicht hatte. Laut seiner Meinung würde man nicht viel verlieren, wenn man immer arbeiten gegangen wäre (in meinem Fall Teilzeit).

    Da ich nun nicht wusste was ich tun sollte und der Abgabetermin meiner Frau sehr nah war, habe ich mich dazu entschlossen meinen und den Antrag meiner Frau an die Rentenversicherung zu senden. Ich habe also meinen Antrag in Windeseile ausgefüllt und beide Anträge abgesendet. Die Unterschrift unter den Antrag meiner Frau habe ich Ihr nur gegeben mit dem Hinweis, dass bei Ihr kein Anspruch verloren gehen sollte.

    Dann ging alles sehr schnell. Meine Frau bekam ein Tag später eine Eingangsbestätigung und am darauf folgenden Tag einen Rentenbescheid. Bei mir dauerte es etwas länger. Zwei Tage später erhielt ich aus Gera eine Eingangsbestätigung. Ich war überrascht, weil ich doch den Antrag aus Berlin zugeschickt bekommen habe. Offensichtlich war hier die Zuständigkeit von Berlin nach Gera gewechselt.

    Meine Frau sagte mir, dass bei Ihr alles richtig im Bescheid sei. Ich dagegen musste noch ein paar Tage warten bis ich ein Schreiben von der Rentenversicherung erhielt. Dies Schreiben erhielt ich von einer Frau, die mich darum gebeten hat, eine Aufstellung zur Verteilung der Erwerbstätigkeit zu erstellen. Außerdem sollte ich noch Formular V805 für mein kleines Kind ausfüllen.

    Die Aufstellung hatte ich relativ schnell bearbeitet, allerdings wurde meine Frau damals krank. Als sie wieder gesund war und ich mit dem Formular V805 ankam wo Sie unterschreiben sollte, war sie zunächst nicht wirklich kooperativ. Sie wollte nicht, dass viel Schreibarbeit auf sie zukommt. Sie hat dann etwas widerwillig nach einem gereizten Gespräch dies Formular unterschrieben.

    In der Zwischenzeit hatte ich mich via Internet bezüglich Rente und Erziehungszeit informiert.
    Hier bin ich darauf gestoßen, dass die Mutter von der Rentenversicherung ein Schreiben erhält mit Informationen zur Kindererziehungszeit. Ich habe dann in den Unterlagen meiner Frau nach diesem Schreiben gesucht und gefunden. Jeder kann sich jetzt vorstellen, dass ich an diesem Tag völlig niedergeschlagen war. Warum hatte mir meine Frau dies Schreiben nicht gezeigt? Diese Frage bohrte sich regelrecht in mein Bewusstsein.

    Ich hatte jetzt Klärungsbedarf mit meiner Frau, denn normalerweise haben wir zwei ein gutes Verhältnis und selbstverständlich vertraue ich meiner Frau. Allerdings passten hier einige Dinge nicht zusammen!

    Am späten Nachmittag kam es zu dem Gespräch. Meine Frau erklärte mir, dass sie die Formulare so ausgefüllt hätte, weil wir doch vergessen hatten die gemeinsame Erklärung abzugeben und das sie geplant hätte mir ein Konto einzurichten auf das sie meine entgangenen Beiträge einzahlen wollte.

    Mir fiel sprichwörtlich ein Stein vom Herzen, denn meine Frau hatte mir gegenüber keine schlechten Absichten gehabt. Sie hatte lediglich vergessen mir das Schreiben zu zeigen und gedacht, dass der Vater nur Erziehungszeiten bekommen kann, wenn eine übereinstimmende Erklärung abgegeben wurde.

    Von der Rentenversicherung hatte ich in der Zwischenzeit ein Schreiben von einem Sachbearbeiter erhalten. Dieser Sachbearbeiter kam mit dem Vorschlag die gesamten Zeiten bei meiner Frau zu belassen (außer für den Monat, den man mir schon zugeordnet hatte), da die Rentenstelle meiner Frau die Zeiten vollständig anerkannt hatte.

    Ich habe daraufhin den Sachbearbeiter angerufen, weil ich wissen wollte was es mit diesem Schreiben auf sich hat. Er erzählte mir, dass er Vätern immer sagt, dass sie die Erziehungszeiten für die Zukunft und nur 2 Monate rückwirkend beantragen können, weil die Erziehungszeiten automatisch bei der Frau zugeordnet werden. Dann kam er auf die kameradschaftliche Tour. So nach dem Motto, wenn meine Frau und ich Rentner wären, dann könnte meine Frau mir von ihrer höheren Rente etwas abgeben.

    Darüber musste ich erstmal eine unruhige Nacht schlafen. Am nächsten Tag wollte ich wissen was los ist bei Scheidung oder Tot meiner Frau und ob ich dann nicht der Dumme sei? Wie aus der Pistole sagte er:“ Das würde er nicht so sehen, es gäbe ja einen Versorgungsausgleich und eine Hinterbliebenenrente und ich würde nichts verlieren“. Ich wurde hier zum ersten Mal darauf aufmerksam gemacht, dass die KEZ automatisch der Mutter zugewiesen werden.

    Für diesen unangenehmen Zeitgenossen sollte ich eine Verzichtserklärung abgeben. Ich rief also nochmals an und sagte, dass meine Frau doch V805 unterschrieben hätte.
    „Das würde nicht zählen, weil die übereinstimmende Erklärung fehlen würde“ war seine Antwort. Sie würden nur solche Erklärungen oder Elternzeit als Grund anerkennen. Bei meinem großen Kind sähe er noch Chancen, weil hier eine Erklärung abgegeben worden wäre, aber es würde sich doch widersprechen und es wäre ganz schwer hier etwas zu machen. Bei meinem kleinen Kind würde er keine Möglichkeit sehen. Er wüsste nicht ob dass überhaupt rechtmäßig sei.

    Die aufkommende Hilflosigkeit und Ohnmacht, die ich jetzt empfunden habe kann ich hier schlecht beschreiben. Nur soviel, ich habe in drei schlaflosen Nächten an einem Schreiben gebastelt, dass fast drei Seiten lang war und die Kunst bestand am Ende daraus, sich mit dem Vorschlag zwar einverstanden zu erklären, aber gleichzeitig diesen Sachverhalt zu widerrufen.

    Weitere Telefonate folgten, wo ich immer wieder zu diesem Mann durchgestellt wurde. „ Ich würde nichts verlieren und ich sollte ihm das glauben“. War eine seiner ständig wieder-kehrenden Aussage. Ich kämpfte hier mit dem Mut der Verzweiflung und zog ihm ganz allmählich noch ein paar Infos aus der Nase. Es gäbe zwar noch eine Möglichkeit, aber da müsste die Frau unterschreiben und man hätte viel Arbeit, (die meine Frau nicht haben wollte, sie hatte gerade eine Kontenklärung hinter sich mit viel „Schreibkram“) und davon würde ich sowieso nichts wissen wollen.

    Dieser Mann hat mit den perfidesten, rhetorischen Tricks mich damals eingeschüchtert. Dies ganze zu einem Zeitpunkt als meine Mutter zwischen Leben und Tod stand.

    Das Schreiben was ich aufgesetzt hatte mit der Bitte um Hilfe für den Fall, dass es doch noch eine Möglichkeit gäbe(ich dachte an die Sachbearbeiterin, die mir gesagt hatte, dass man noch was machen kann) sendete ich an beide Dienststellen. Das Schreiben hatte ich übrigens an die Sachbearbeiterin gerichtet. Als ich ein paar Tage später dort anrief, hatte ich wie schon so oft die Zentrale dran und wurde wieder zu dem Herrn durchgestellt. Ich wollte wissen was jetzt wird. Der Herr holte das Schreiben von seiner Kollegin und sagte mir ich hätte nicht so viel schreiben sollen. Ich wollte diesen Kerl einfach nur loswerden und wies ihn auf das Ende hin, wo ich im Prinzip den Verzicht unterschrieben hätte.

    Am nächsten Tag rief ich wieder bei der Sachbearbeiterin und wollte wissen was sie zu meinem Schreiben sagt. Sie sagte erst, ich hätte doch verzichtet. Nachdem ich sie darauf hinwies, dass ich aber auch anders geschrieben hätte, sagte Sie mir, dass sie bei der Dienststelle meiner Frau anrufen wird. Außerdem sagte Sie mir, dass die übereinstimmende Erklärung von mir und meiner Frau verloren gegangen sei (die Erklärung wurde nicht verfilmt) und nur auf Grund einer Randbemerkung auf dem Antrag bekannt gewesen sei, dass mir Erziehungszeiten zustehen.

    Mittlerweile erhielt ich einen ablehnenden Bescheid – vermutlich von dem Herrn.

    Kurz darauf erhielt ich einen Anruf von der Sachbearbeiterin, ich sollte ein kurzes Schreiben aufsetzen und alles wie ursprünglich bei meinem großen Kind beantragt ausfüllen. Es handelte sich um ein Schreiben von 3 Zeilen, welches mir der Herr vorher mit viel Arbeitsaufwand versucht hatte zu verkaufen.

    Kurz darauf erhielt ich den positiven Bescheid für meine große Tochter und fasste neuen Mut. Für meine kleine Tochter musste ich hier ins Widerspruchverfahren, weil die übereinstimmende Erklärung fehlte. Die Sachbearbeiterin sagte nur: „Vielleicht ist es besser so, weil dann eine ganz andere Person für mich zuständig wäre.“ Mittlerweile hatte ich im Internet sehr viel recherchiert und war auf Arbeitsanweisung R3.3( heute R4.3) gestoßen. Überwiegende Erziehung. Mit diesem Wissen argumentierte ich bei der nächsten Sachbearbeiterin, die übrigens auch sehr nett war und mir sehr geholfen hat.

    Es dauerte dann noch sehr lange bis ich meinen Bescheid für die kleine Tochter bekam – von Antragstellung bis Bescheid insgesamt etwas über ein Jahr. Wie gesagt bei meiner Frau 2 Tage. Ich weiß sehr wohl, dass das Verfahren Anhörung – geänderter Bescheid lange dauert, aber trotzdem verbleibt ein halbes Jahr reine Arbeitszeit, um festzustellen, dass 25 Stunden weniger als 39 Stunden sind! Meine Kinder lösen so eine Aufgabe innerhalb kürzester Zeit!

    Übrigens habe ich während des Widerspruchverfahrens eine gemeinsame Erklärung über die restliche Berücksichtigungszeit eingereicht, die mir kurzfristig bestätigt worden ist.
    Hierzu muss ich noch anmerken, dass der „Versichertenälteste“-Rentenberater im Dorf, den ich nochmals aufgesucht hatte, der Meinung war, dass man diese Erklärung nur am Anfang einreichen könnte und von der Möglichkeit der Bescheidrücknahme hatte er auch keine Ahnung. Außerdem konnte er nicht glauben, dass meine Frau deutlich über die Beitragsbemessungsgrenze kommt mit normalem Lohn und Kindererziehungszeit. Was für ein unqualifizierter Stümper!

    Ein Besuch 2 Monate später bei der richtigen Rentenberatung(übrigens eine Rentenberaterin) in unserem Dorf, hat, wie ich mir gedacht hatte, etwas anderes ergeben.

    Dieser Versichertenälteste hat offensichtlich beim Thema Erziehungszeit einen Tiefschlaf gehabt und hat mich bei damaliger Antragstellung zum „Hausmann“ degradiert. Ich habe aber einen verantwortungsvollen Job in einem Unternehmen.

    Im Laufe dieses Nervenkrieges und durch die Krankheit meiner Mutter kam es zu einer depressiven Phase bei mir. Durch die vielen schlaflosen Nächte und die Ungewissheit, ob ich um meinen Rentenanspruch gebracht werde, kam mein Nervenkostüm fast völlig zum Erliegen.

    Mit der Hilfe meiner Frau kam ich nach 4-6 Wochen aus diesem trüben „Loch“ wieder raus. Ich bin noch nie so in meiner Erziehungsarbeit behindert worden.

    Sicherlich gab es immer mal hier und da gewisse Andeutungen von Zeitgenossen, die ein „Problem“ damit hatten, dass ich nicht das traditionelle Modell gewählt habe, doch ich hätte mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, dass ich von der deutschen Rentenversicherung so über den Tisch gezogen werde.

    Die „Milchmädchenrechnung“, die der Herr aufgemacht hat(lt. Dem Herrn würde ich nichts verlieren, weil meine Frau ihren höheren Beitrag mir geben könnte) ist so nicht richtig, weil meine Frau aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze gar nicht den vollen Betrag bekommen würde und außerdem ist meine Frau 7,5 Jahre jünger als ich, so dass die Zahlung von ihrem Gehaltskonto quasi einer Lohnpfändung gleich käme.

    Außerdem verstehe ich nicht, warum ich als Vater kein Informationsschreiben nach der Geburt des Kindes erhalte? Hier werden wichtige Informationen für den Vater vorenthalten. Warum? Schließlich liegt es doch in meinem Interesse eine übereinstimmende Erklärung abzugeben, wegen automatischer Zuordnung zur Kindesmutter.

    Durch obiges Verfahren erhält der Mann keine bzw. unvollständige Informationen(er ist davon abhängig, was seine Frau ihm mitteilt). Das es hier schon mal zu Fehlern kommen kann ist doch wohl klar. Außerdem findet das ganze zu einem Zeitpunkt statt, wo man sein Leben komplett neu ausrichten muss. Jeder der Kinder hat wird verstehen was ich damit meine. Ich war damals von diesem Wunder der Geburt so überwältigt und so stolz Vater zu sein, dass ich die Welt gewissermaßen durch die „rosa Brille“ gesehen habe. In einer solchen Situation hat man doch nicht wirklich den Kopf frei für komplizierte Sachverhalte von der DRV.

    Ich bin mir zwar klar, dass ich Fehler gemacht habe, weil ich dass Schreiben der DRV zu spät bearbeitet habe. Außerdem habe ich bei unserem zweiten Kind vergessen meine Frau auf diese Erklärung nochmals anzusprechen. Doch wie ich bereits oben beschrieben habe sind Fehler gewissermaßen vorprogrammiert!

    Aber nicht nur ich habe Fehler gemacht, sondern die DRV auch. Erstens ist unsere gemeinsame Erklärung verloren gegangen. Zweitens hätte es eine Nachfrage geben müssen, da der DRV zumindest bekannt war(Randnotiz), dass eine übereinstimmende Erklärung für 1,5 Jahre zu meinen Gunsten abgegeben worden ist. Hier ist mit Verlaub gesagt „schlampig“ gearbeitet worden, denn übereinstimmende Erklärungen sind bindend und können von den Eltern in der Vergangenheit nicht geändert werden. Diese bindende Wirkung war mir damals durchaus bewusst und ich hatte deshalb gehofft, dass die Rentenstellen hier eine Lösung finden, stattdessen wurde der „falsche“ Rentenantrag meiner Frau in 2 Tagen durchgewunken.

    Was danach folgte, habe ich oben bereits beschrieben. In der verzweifelten Situation in der ich mich damals befunden habe, hätte ich mir Hilfe von der DRV erhofft. Stattdessen hat der Sachbearbeiter gezielt mit „gezinkten“ Karten gespielt und versucht, mich von meinen Anspruch abzuhalten und zu einer Verzichtserklärung zu bewegen. Er hat meine damalige Unkenntnis ausgenutzt, damit er möglichst wenig Arbeit hat.

    Dies Verhalten kommentiere ich als verwerflich, denn eine seiner Aussagen war, es würde sowieso nicht viel Geld geben für die Kindererziehungszeit. Insgesamt wurde hier eine Herabwürdigung der Erziehungsarbeit ausgedrückt, die ich nicht nachvollziehen kann. Für unsere Gesellschaft ist es doch wichtig, dass genug Kinder auf die Welt kommen und für diese Arbeit ist es richtig, dass sie entsprechend im Rentenkonto gewürdigt wird.

    Abschließend möchte ich noch bemerken, dass ich dies Schreiben aufgesetzt habe, damit Väter nicht in die gleiche „Falle“ tappen wie ich. Dies war für dich Carsten sicherlich auch der Antrieb diese Website zu erstellen.

    In Deinem ersten Auftritt im Web hast Du auch erwähnt, dass zwei Sachbearbeiterinnen Deinen Fall unterschiedlich bewertet hatten. Die eine erzählte Dir es sei nichts mehr möglich, während Dir die andere erzählte es ginge noch was. Interessant wie sich das Muster von Deinem Fall und meinem Fall gleichen!

    Zu Deinem Text auf der Website habe ich noch ein paar Anmerkungen. Für die Beantragung der Erziehungszeit als Vater ist die übereinstimmende Erklärung zur Zuordnung der Kindererziehungszeiten am Wichtigsten (Formular V820). Mit diesem Formular erklärt man der Rentenversicherung, dass die Rollen getauscht wurden, also dass der Vater den größten Teil der Kindererziehung trägt.

    Erst danach kommt die von Dir beschriebene Methode zum Tragen mit dem Antrag auf Feststellung der Erziehungszeiten( Formular V800+V805). Wenn man nämlich obige Erklärung nicht abgegeben hat, so muss man seine überwiegende Erziehungsarbeit beweisen, was mitunter sehr lange (bei Dir 3 Jahre) dauern kann und wenn man Pech hat landet dass ganze Verfahren vor dem Sozialgericht. Auf jeden Fall hat man viel Ärger, Arbeit und eventuell unruhige Nächte.

    Für mich steht auf jeden Fall fest, dass man mich für dumm verkaufen wollte und meine Unkenntnis ausnutzen wollte, um möglichst wenig Arbeit zu haben. Ich rate daher zu obigem Wege. Falls man jedoch den Abgabetermin verpasst bzw. vergessen hat. So rate ich die überwiegende Erziehung zu beantragen und einen Blick in die Rechtsanweisungen (R4.3) der deutschen Rentenversicherung zu werfen. Es ist unser Recht die Zeiten zu beantragen, wenn wir die überwiegende Erziehung geleistet haben und nicht davon abhängig, ob ein Sachbearbeiter uns kulant gegenüber ist.

    Noch eine Schlussbemerkung von mir. Die Geschichte ist so passiert wie ich es aufgeschrieben habe und ich kann hier das ganze nur erzählen, weil es anonym ist, schließlich sind hier viele private Dinge zur Ansprache gekommen, die man in aller Öffentlichkeit nicht schreiben möchte.

    Falls Ihr einen Namen zur Ansprache braucht, so nennt mich Benni.

    • Ein sehr guter Hinweis und vor allem eine berechtigte Forderung. Die pauschale Zuschreibung der Rentenansprüche an die Mutter ist echt nicht mehr zeitgemäß. Eltern sollten sich mit der Thematik auseinandersetzen, auch wenn es etwas nervt und man sich eigentlich um Kind und Familie kümmern möchte…

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