Kann ich mein zweites Kind genauso lieben wie das erste Kind

Seminar für Väterzeit-Väter in Hannover

Während der zweiten Schwangerschaft meiner Frau hatte ich verschiedene Ängste. Am meisten hat mich die Frage beschäftigt, ob ich mein zweites Kind genauso lieben kann wie mein erstes Kind.

Beim ersten Kind haben wir die Schwangerschaft mehr genießen können. Man konnte häufig mit dem Ungeborenen „reden“. Man konnte Gedanken darüber austauschen, wie es denn als Familie wird und man konnte in Ruhe die Ankunft des neuen Familienmitglieds vorbereiten.

Als ich – direkt nach der Geburt  – mein Kind das erste Mal im Arm hielt, wusste ich ab dem ersten Augenblick, dass es zu mir gehört. Ich wusste, dass ich es beschützen werde und alles dafür tuen werde, damit der Kleine einen guten Start ins Leben bekommt.

 

Die Liebe zum ersten Kind kam von selbst

In den nächsten Wochen hatte man dann die Zeit in Ruhe mit dem Kind zu schmusen, es einfach nur anzuschauen oder Freunden davon zu erzählen, wie glücklich man nun als Familie ist.

Die Liebe zum ersten Kind kam wie von selbst.

Die zweite Schwangerschaft musste leider etwas nebenher laufen. Es war weniger Zeit um sich mir dem ungeborenen Kind und der neuen Familiensituation auseinander zu setzen. Auch die Euphorie der „Neufamilie“ war durch die nun bekannte Situation nicht mehr vorhanden.

 

Die Angst, dass zweite Kind nicht zu lieben

Irgendwie beschlich mich dadurch die Angst, dass es in einer solchen Alltagssituation –  in der man regelmäßig nur noch funktioniert, und sich immer wieder daran erinnern muss, wie gut und schön alles ist – zu Schwierigkeiten beim Aufbau einer liebevollen Bindung mit dem zweiten Kind kommen könnte.

Es stellte sich mir dabei aber nicht die Frage, ob ich das Kind lieben würde, wenn es z.B. nicht ganz gesund wäre. Ich war mir sicher, dass ich mein Kind genauso gern gehabt hätte.

 

Das zweite Kind genauso lieben wie das erste Kind

Als ich unser zweites Kind nach der Geburt in den Arm genommen habe,  wusste ich, dass dieses zweite Kind jetzt für immer bei uns ist und noch in unserer Familie gefehlt hat.

Ich wusste, dass ich auch dieses Kind in gleichem Umfang beschützen und behüten werde. Mich für das Kind einsetzen werde und es niemals schlechter oder besser behandeln will als unser erstes Kind.

 

Wie hat sich die Beziehung zum zweiten Kind entwickelt?

Wenn ich aber die Stärke der Beziehung zu dem zweiten Kind betrachte, so war die Verbindung am Anfang nicht so stark wie zum ersten Kind. Erst jetzt nach drei Wochen des sich aufeinander Einlassens entwickelt sie sich.

Erst jetzt denke ich darüber nach, dass die Beziehung zu meinem ersten Kind auch erst einmal wachsen musste. Man musste Zeit miteinander verbringen und sich wohl auch öfter mal streiten. Erst dadurch kann man die schöne Zeit gemeinsam wertschätzen.

 

Was ist wichtig um die Beziehung zum zweiten Kind zu festigen?

Ich finde, es ist wichtig mit dem zweiten Kind Zeit zu verbringen.

Meiner Meinung nach ist die Elternzeit für den Vater beim zweiten Kind wichtiger als die beim ersten Kind.

Der Vater muss die Gelegenheit haben sich auf das Kind einzulassen. Dafür ist es wichtig, dass er Zeit hat, sich Zeit nimmt und auch die Mutter ihm Zeit gibt.

Beim zweiten Kind ist zu Hause mehr zu tun als beim ersten Kind. Gerade deswegen ist es wichtig, dass der Vater die Mutter entlastet und sie unterstützt.

Der Vater in Elternzeit sollte aber nicht nur Haushalt und Erstgeborenes organisieren, sondern sich bewusst Zeit mit dem Familienzuwachs nehmen.

Ich biete meiner Frau – schon jetzt nach drei Wochen- regelmäßig an, dass sie Einkaufen oder ein Eis essen geht . Auch wenn es ihr noch sehr schwer fällt, so hat sie sich doch heute zu ihrem dritten Ausflug mit dem Großen überreden lassen.

Voraussetzung dafür ist natürlich auch, dass die Mutter das zulässt. Sie ist „Natur“-lich voll im Babymodus. Als Elternzeitprofi;-) habe ich schon einige Male erlebt, dass Frauen ihre Männer, im Umgang mit dem Kleinkind, in nicht unerheblichem Umfang gerügt haben, weil der Mann das Baby z.B. nicht richtig gehalten hat. Selbstverständlich ist das kein Beinbruch, entspannt die ganze Situation aber auch nicht unbedingt.

Dabei finde ich es sehr wichtig, dass beide Elternteile eine Beziehung zu dem Kind aufbauen können und Mann dabei unbeschwert und ohne Angst vor Fehlern agieren kann. Erst dadurch kann Mann sich auf das Kind einlassen und wird jetzt (nach drei Wochen) auch schon ab und zu mit einem Lächeln des Neugeborenen belohnt.

Diese Momente des gemeinsamen, positiven Erlebens halte ich für die wichtigsten Bausteine in einer gesunden und guten Eltern-Kind-Beziehung.

Wenn man sich diese Zeit nimmt und die Gelegenheit hat, das zweite Kind auch umsorgen zu dürfen, bin ich mir sicher, dass man die Frage in der Überschrift dieses Artikels bald mit „Ja“ beantworten kann.

 

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