Ich will auf den Arm

Wenn Mann Elternzeit macht kommen neue Aufgaben auf ihn zu
Aufgaben der Väterzeit

In den letzten vier Monaten gab es hier keine Beitrage und dafür gibt es gute und schlechte Gründe.

Der gute Grund vorweg: Ich wollte mir einfach mehr Zeit für meine Kinder nehmen.

Ins Eingemachte geht es bei den nicht so schönen Seiten der Väterzeit.  Hauptsächlich hat mich wohl gefrustet, dass wir nur so wenige Anmeldungen zu den Väterzeit-Workshops erhalten haben. Man kann hier sicherlich verletzte Eitelkeiten vermuten, doch das ist nicht der Grund. Viel mehr habe ich erkannt, dass es noch keinen ausreichenden Bedarf für diese Treffen gibt.

Ich hatte vermutet, dass  das Thema Väterzeit einfach schon verbreiteter in der Gesellschaft ist.  Damit meine ich nicht medial, denn das geht ja schon fast nicht mehr. Es gibt ohne Ende Berichte von den neuen Vätern. Das Thema ist total hip und immer für eine Schlagzeile gut. Wenn so viele Berichte von tollen Frauen in den Zeitungen stehen würden, wie von tollen Männern, dann wäre der nächste Babyboom perfekt.

Aber in Wahrheit passiert nicht viel. Manchmal denke ich sogar, die ganze Geschichte ist eine Show um zu verschleiern, dass übermorgen alle Kinder mit 12 Monaten in der Krippe sind und wir uns dieser wichtigen Zeit und diesen wertvollen Erfahrungen berauben lassen, alle Karriere machen und morgen Chefs sind.  Das ist keine Verschwörungstheorie, das ist einfach nur Politik.

Wie sonst wäre es zu erklären, dass die Rahmenbedingungen für Väter die Elternzeit nehmen oder Familienarbeiter werden wollen, immer noch nicht denen der Mütter angeglichen sind. Auf meine sachliche und freundliche Anfrage an das Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend zu  den Themen Anmeldewoche und Rentenbeitragszeiten gab es z.B. keine Antwort. Zugegeben, der heutige Beitrag ist etwas polemisch geschrieben. Das ist eigentlich nicht meine Art, aber wen kümmert es. Es passiert ja doch -fast- nichts.

Ein Spötter würde fragen: „Will Frau überhaupt, dass Mann die Kinder betreut oder will Mann überhaupt, dass Frau die Kinder nicht betreut?“

Ich sage: „Das kann jede Familie für sich entscheiden.“ Die Aufgabe der Politik ist lediglich ein System zur Verfügung zu stellen, in dem keiner benachteiligt wird, weil er sich Zeit für unsere Zukunft nimmt.

Manner müssen Elternzeit nehmen

Ich würde keinem Mann sagen: Du solltest länger Elternzeit nehmen (Von zwei Monaten rede ich dabei überhaupt nicht, wenn unsere Gesellschaft diese zwei Monate nicht verkrafteten will, dann stimmt doch grundsätzlich etwas nicht). Das muss in der Familie entschieden werden dürfen.

Es gibt Männer, die haben einfach keine Lust darauf sechs Monate Elternzeit zu machen. Die Windeln zu wechseln, Zeit mit einem schreienden Säugling zu verbringen und den Kinderwagen stundenlang durch die Gegend zu schieben und es gibt Männer die machen das gerne, weil sie gleichzeitig auch die schönen Moment mit ihrem Kind erleben. Sie fällen eine Entscheidung und nehmen ihre Aufgabe an, ganz gleich ob Broterwerb oder Spracherwerb.

Und es gibt Frauen, die wollen einfach Ihren Job nicht aufgeben. Kaum ein Mensch würde das bei einem Mann kritisieren.

Ebenso besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass Frauen ihren Männern die Kompetenz zur Familienarbeit absprechen (maternal-gatekeeping)  und neuerdings, dass Männer es ihnen gleichtun. Ich selbst fühle mich nach bald vier Jahren auch schon manchmal wie eine Papa-Glucke. Man sollte aber all diesen und fast allen anderen Männern und Frauen Ihre persönliche Entscheidung zugestehen.

Familie von gestern

Manche Leute sind echt von gestern. Viele Leute eigentlich und manchmal kann ich mich da nicht ausschließen. Darum möchte ich hier meine Flop-3 aus Gesprächen über die  Väterzeit als faden Beigeschmack hinterlassen, da kann man bei einem Wickeltisch auf der Damentoilette nur schmunzeln und die Frage des Chefs, ob man sich denn jetzt Brüste wachsen lassen will, vergessen.

a) Beim Abduschen der Kinder im Kinder-Badezimmer auf dem Campingplatz sagt eine Mutter:“Ihr bleibt so lange angezogen bis der Mann draußen ist.“ Was soll man dazu sagen und wie soll man seinen Kindern die Aussage erklären?

b) Beim Gespräch über Geld: „Du bist so Sch… wie du wenig verdienst, ich muss arbeiten und du machst dir hier einen schönen Tag.“ Egal wer hier Mann oder Frau ist. Der oder diejenige vergisst, dass die Einkommenssituation regelmäßig bei der Zeugung schon ähnlich war.

c) Im Kindergarten mit einem Migrantenanteil von mehr als 50 %. Da weiß man auf jeden Fall wie sich ein Migrant im Regelfall fühlt: Als Mann wird man da selten -aber manchmal- einfach überhört. Keine Begrüßung, keine Gespräche. Somit natürlich auch kein Austausch oder Besuche der Kinder. Auch ein schwieriges Thema, finde ich.

Geld in der Elternzeit

Geld ist ein wichtiges Thema. Die meisten Väter die länger in Elternzeit gehen, können sagen: Diese Freiheit nehme ich mir. Nicht selten sind sie unkündbar, oft haben sie eine gute Ausbildung, mit der die Chance auf eine Wiedereinstellung steigt und oder eine besserverdienende Partnerin. Sie sind eher Ende als Anfang 30 und brauchen sich regelmäßig nicht über einen leeren Kühlschrank zu sorgen. Ich möchte kein falsches Bild malen aber die meisten die ich kennengelernt habe, hatten ein Alter erreicht, in dem die Wichtigkeit der Familie in den Vordergrund rückt. Sie haben sich ganz bewusst auf die eigene Familie eingelassen und sind liebevolle und aufmerksame Väter. Das sind ganz viele andere Väter natürlich auch aber eben weniger Stunden am Tag.

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Kinder Vater und Mutter gleichermaßen brauchen. Der Nachwuchs profitiert davon (Quellen gibt’s dafür genug, einfach bei Google suchen, wie gesagt: etwas polemisch heute, eine kleine Streitschrift)

Meine Frau fährt einen neuen Firmenwagen den ich am Wochenende auch nutzen kann. Mein Auto ist sehr alt und ein Kotflügel wurde von mir liebevoll mit Klebeband abgeklebt, damit er nicht herunterfällt. Manchmal würde ich gerne ein neueres Auto fahren, teilweise ist es mir schon etwas peinlich. Wir nennen es „Möhrchen“. Aber was würde mich dieses neue Auto und ein Urlaub auf Malle anstatt unserer Campingurlaube kosten? Zu – viel – Zeit und  zu – viel – Familie. Schade sind lediglich die verpassten Karrierechancen, schließlich machen doch irgendwie alle Karriere.

Ich bin mir sicher: Alles geht nicht!

Es ist richtig hier zu erwähnen, dass Frauen in den gleichen Berufen wie Männer, weniger als diese verdienen. Das ist falsch und gehört geändert.

Was aber meiner Meinung nach komplett in der politischen Diskussion fehlt, ist die Auseinandersetzung mit dem Altersunterschieden in den Partnerschaften. Diese Regelmäßigkeiten sind kein Zufall und werden sowohl von Frauen wie auch von Männern forciert (ein zugegebener Maßen Riesenfass auf das keiner Lust hat).

In diesem Altersunterschied sehe ich das Fundament für die schlechtere Versorgung der Frauen im Alter. Ausdrücklich ohne Versorgungsausgleich, Alimente und Co tiefergehend thematisieren zu wollen.

Mein Fazit

Ich glaube als Vater in Elternzeit hinterfragt man sich, sein Umfeld und die Gesellschaft mehr als eine Mutter in Elternzeit dies tun würde. Und dieses Hinterfragen frustriert manchmal. Auch weil der Austausch mit anderen Vätern in Elternzeit fehlt.

Eventuell weil es so wenig Väter gibt die diesen Weg gehen, vielleicht weil Manner alles mit sich allein ausmachen oder weil sie es sich nicht trauen. Meine Väterzeit ist ganz schön kompliziert geworden.

Dabei bin ich für meine Kinder einfach nur der beste Vater der ich sein kann, so wie das wohl für alle Mütter und Väter gilt.

 

 

 

 

 

 

 

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