Als Mann Elternzeit nehmen

Wenn Mann Elternzeit macht kommen neue Aufgaben auf ihn zu
Aufgaben der Väterzeit

Soll ich als Mann Elternzeit nehmen?

Was sind die Vorteile und Nachteile wenn ein Mann Elternzeit beantragt? Diese Frage stellen sich viele verantwortungsvolle Väter. Eine Antwort darauf muss jeder für sich und in seiner Familie finden. Nur eins vorweg:

Eine Väterzeit ist nichts für Weicheier.

Auf Anregung von Stadt Land Mama habe ich mir Zeit genommen und einen recht umfassenden Bericht darüber geschrieben, wieso das so ist, wie sich eine Väterzeit anfühlt und welche Fallstricke es gibt.

Auf der Facebook Seite von Stadt Land Mama wurde nämlich in den Kommentaren über die Elternzeit des Vaters von Familienministerin Schwesigs zweitem Kind philosophiert. Genau genommen zweifelte man an ihren mütterlichen Kompetenzen, wenn sie denn dem Mann die frühkindliche Erziehung überlässt.  Vater und Kindererziehung? Das passt doch nicht richtig zusammen.

Dazu gab es für mich nur zu schreiben:

Ein Vater kann vielleicht nicht Stillen aber alles andere sehr wohl. Das kann ich nach drei Jahren Elternzeit und einem drei Jahre, sowie einem 9 Monate altem Kind sagen. Ich gehe sogar noch weiter und sage, das Kind braucht nicht die Mutter, das Kind braucht die Mutter und den Vater.

Deshalb kam es zu diesem Beitrag. Vieles was ihr hier lesen könnt, habe ich so erlebt. Alles andere sind Erlebnisse von Elternzeit- Vätern  die ich persönlich über die Elterninitiative Vätertreffpunkt  kennengelernt habe.

Juhuuu, ich werde Vater

Vater werden und Vater sein wirbelt das Leben und die Beziehung komplett durcheinander. Was es bedeutet Vater zu sein, eröffnet sich zumeist erst nach den ersten Wochen des jungen Elternglücks.

Meistens hat man sich aber schon während der Schwangerschaft zusammen mit der Partnerin überlegt ob und für wie lange eine Vaterzeit für Papa in Frage kommt.

Wenn man als Mann ELternzeit nimmt kann man sich sehr gut auf die neue Familiensituation einbringen

Als Mann Elternzeit von zwei Monaten nehmen

Eine Väterzeit von zwei Monaten würde ich jedem Mann und jedem Paar empfehlen.

Natürlich können Gehaltseinbußen oder sehr familienunfreundliche Arbeitgeber dazu führen diese besondere Chance nicht zu ergreifen,  ich würde aber sagen:

Wenn die Möglichkeit zur Elternzeit besteht: Machen!

Zumindest galt das für mich. Denn eigentlich sah unser Familienplan so aus: Ein Jahr bleibt meine Frau zu Hause und das zweite Jahr bleibe ich daheim. Wenn das Kind dann zwei Jahre alt ist würden wir es von acht Uhr bis fünf Uhr in die Krippe geben und beide wieder in Vollzeit arbeiten, dachten wir. Aber dazu später mehr.

Zwei Monate für Väter sind schon alleine dafür nötig, um zu erkennen, dass dieses kleine schlafraubende Wesen nicht nur in der Nacht oft anstrengt, sondern auch am Tag.

Ich zum Beispiel habe mich  in den ersten Monaten nach der Geburt unseres ersten Kindes  regelmäßig darüber gewundert, dass meine Frau den Kamin ausgehen lassen hat. Als ich dann den ersten Tag alleine mit dem sechs Monate altem Kind war, ist mir der Kamin an diesem Tage drei Mal ausgegangen.

Mit anderen Worten: Für mich gehört zum Vater sein auch anzuerkennen, was die PartnerIn bei der Erziehungsarbeit leistet. Natürlich gilt das auch andersherum. Ein Vierzig+ Stunden-Job mit einer Familie in Einklang zu bringen und dabei allen gerecht zu werden ist auch nur sehr schwer möglich.

Darum plädiere ich dafür Prioritäten zu setzen und dem Neugeborenem zumindest in den ersten drei Jahren ein Familien- und Zusammengehörigkeitsgefühl zu vermitteln. Die zwei Monate Elternzeit sind dazu ein möglicher Baustein. Im Nachhinein betrachtet würde ich sagen: Beim ersten Kind hat man als Mann am meisten davon die zwei Monate zu nehmen wenn das Kind ein Jahr alt ist und beim zweiten Kind hilft man der Partnerin am meisten (und beugt Eifersüchteleien vor) wenn man  die Elternzeit gleich nach der Geburt nimmt.

Als Mann Elternzeit nehmen

Als Mann Elternzeit von drei Monaten und mehr nehmen

Okay, du willst drei Monate Väterzeit oder mehr nehmen? Gut. Zwei Monate sind für den Arbeitgeber, die Kollegen oder Kunden eigentlich gut zu verkraften. Die Dauer eines Beinbruchs sozusagen. Bei drei Monaten und mehr sieht das schon anders aus. Es werden eventuell Vertretungen im Unternehmen eingerichtet. Außerdem sollte man sich als Mann unbedingt bei der Rentenversicherung anmelden (mehr dazu).

Wenn man als Mann für drei Monate und mehr (bis zwölf Monate) in Elternzeit geht bekommt man Feedback. Im Regelfall mehr positives Feedback aber auch mehr negatives Feedback als eine Frau, die für die gleiche Zeit Elternzeit beantragt.

Irgendwie rechnen die Arbeitgeber und Kollegen auch heute noch damit, dass die Mutter sich um die Kindeserziehung kümmert und nicht der Vater. Der Vorgesetzte oder die Vorgesetzte kalkulieren also das familienbedingte Aussetzen der Frauen mit ein. Das familienbedingte Aussetzen von Männer wird aber immer noch nicht als normal empfunden. Nicht selten berichten Väter davon, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter stark in Mitleidenschaft, wenn nicht gar zerstört wird.

Natürlich springt auch kein Abteilungsleiter in die Luft wenn eine Frau für ein Jahr „nicht arbeitet“, bei einem Mann ist die Reaktion aber oft noch schwieriger. Gerade deshalb bin ich der Ansicht, dass der Kündigungsschutz des Mannes in diesem Fall verbessert werden muss.

Anmeldewoche wenn Mann Elternzeit nimmt

Als Mann hat man acht Wochen vor der Elternzeit Kündigungsschutz. Die Elternzeit muss aber mindestens sieben Wochen vor Beginn angemeldet werden. Praktisch bleibt also nur diese eine Woche. Wenn man nun also z.B. neun Wochen vor Beginn gefragt wird ob man in Elternzeit geht, muss man sich genau überlegen was man sagt.

Eigentlich sieht dieser Kündigungsschutz bei Frauen zwar sehr ähnlich aus, weil sie aber vorher in Schwangerschaft/Mutterschutz sind greift dieser Kündigungsschutz.

Väterzeit Feedback

Du bekommst richtig viel positives und negatives Feedback.

Positives Väterzeit-Feedback ist toll:

„Ich würde das genauso machen.“

„Du machst das genau richtig.“

„Super, dass du deine Frau (beruflich) unterstützt.“

„Eine einmalige Chance um eine besondere Beziehung zum Kind aufzubauen.“

„Toll wie du das machst.“

„Du tust auch ganz viel für die Frauen, dadurch sind Arbeitnehmer nicht mehr so berechenbar und werden nach Qualifikation und nicht nach Geschlecht gefördert.“

„Sie machen genau das Richtige. Ich habe immer gearbeitet und wollte mich dann später als Ausgleich um meine Enkel kümmern. Die wohnen jetzt aber 800 Kilometer entfernt.“

„Sie machen genau das Richtige. Ich habe immer gearbeitet und wollte mich dann später als Ausgleich um meine Enkel kümmern. Leider habe ich keine bekommen.“

Deine Frau sagt dir:“ Danke. Du bist der beste Vater der Welt.“

Dein Kind strahlt dich an.

Als Mann Elternzeit genießen und mit dem Kind baden gehen

 

Negatives Väterzeit-Feedback ist nicht so toll:

Funkstille. Dein Vorgesetzter spricht nicht mehr mit dir. Du wirst gemobbt.

Eine Frau sagt dir: Väter können dem Kind keine Bindung geben.“

Eine Frau sagt dir auf deine Aussage hin, dass du die Kinder erziehst: “ Das ist ja schrecklich.“

Deine Frau sagt dir: „Du bist so unfähig. Weil du so wenig verdienst muss ich arbeiten und du kannst schön bei den Kindern bleiben.“

Totales Unverständnis: „Du musst doch arbeitslos sein wenn du dich um die Kinder kümmerst.“

Totales Unverständnis: „Du kannst doch keine Ausbildung haben wenn du dich um die Kinder kümmerst.“

Es gibt noch mehr davon… Aber auf der anderen Seite gehen auch drei bis zwölf Monate Elternzeit vorbei. Im Regelfall kannst du danach wieder auf deinem Posten weiterarbeiten, hast viel in diesen Monaten gelernt, eine ganz besondere Zeit verbracht und eine tiefe Beziehung zu deinem Kind aufgebaut. Wenn es weint möchte am liebsten von dir getröstet werden und du weißt, wie wichtig die Schulaufführung oder das Laterne basteln im Kindergarten für dein Kind ist.

Vater sein muss man lernen. Und das Gute: Man kann es lernen. Für Frauen ist es auch neu Mutter zu sein. Nicht umsonst gibt es unzählige Ratgeberbücher, Internetcommunitys, Frauentreffs, Pekip, Delfi und Co. Auch deshalb vertrete ich die Meinung, dass ein Mann ebenso gute Erziehungsarbeit leisten kann wie eine Frau.

Anders, nicht genauso aber ebenso gut. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Kinder durch die Nähe und Betreuung von Vater und Mutter im Normalfall nur gewinnen können.

Als Mann Elternzeit von mehr als 12 Monaten nehmen

Als Mann Elternzeit für mehr als ein Jahr nehmen

Frauen werden es wissen: In der Elternzeit macht man keine Karriere. Das ist wohl so. Allerdings kann ich jetzt nach drei Jahren Elternzeit sagen: Auch ohne Elternzeit macht man nicht Karriere. Gut, die Chance ist größer, aber die meisten Leute die ich kenne sind in den letzten drei Jahren auf ihrer Karriereleiter auch nicht weitergekommen und verrichten ganz normal ihren Job, wie vor drei Jahren auch. Da habe ich mehr erlebt.

Aber Achtung, eins vorweg: Wenn Mann Elternzeit von zwölf Monaten und mehr macht,  unbedingt bei der Rentenversicherung anmelden (mehr dazu).

Es ist richtig: Ich mache mir Sorgen, dass ich den Anschluss verpasse, eine geringer qualifizierte Aufgabe übernehmen muss oder auf ewig das Archiv entstauben darf. Auch wenn ich jetzt ein paar Gegenargumente liefere sind diese Ängste da und sie bedrücken mich von Zeit zu Zeit.

  • Die erste Frage die man sich stellen sollte: Ist man als Vater ein schlechterer Vater als eine Mutter es wäre, die sich für den Rest ihres Lebens damit beschäftigt, Kinder und Haushalt zu organisieren und gegebenenfalls noch ein Ehrenamt zu übernimmt? Ist das eventuell der Weg den meine Partnerin und ich gehen wollen? Wenn ja, dann gut (Mann sollte allerdings in diesem Fall verheiratet sein).
  • Die zweite Frage ist die der beruflichen Umorientierung. Möchte ich für den Rest meines Lebens meinem Job nachgehen oder kann ich die Elternzeit nutzen um einen neuen Weg einzuschlagen, mich fortzubilden oder eine Geschäftsidee zu entwickeln. Wenn ja, dann gut.
  •  Die wichtigste Frage die aber in meinen Ängsten schlummert ist die, ob ich langfristig damit umgehen kann, dass meine Frau mehr Geld als ich verdient und beruflich aktiver ist?  Ich schreibe dass, weil ich bislang noch keinen Vater in Elternzeit kennengelernt habe, der schon immer wusste: Väterzeit? Auf jeden Fall!

Regelmäßig steht ein familiärer Prozess vor der Elternzeit. Häufig sind die Väter die sich für eine einjährige Elternzeit entscheiden schon älter. Die Frauen sind regelmäßig auch nicht viel jünger und hatten  Zeit sich beruflich zu etablieren. Eventuell sind sie selbständig und der Mann ist als Angestellter besser abgesichert.  Vielleicht möchte die Frau auch die gerade erklommene Position nicht gefährden oder der Mann ist als Beamter unkündbar. Verschiedenste Möglichkeiten. Alle sollten akzeptiert werden. Gerade wenn man eine Familie wird ist es wichtig in der Familie zu entscheiden, was in Summe am besten für die eigene Familie ist. Denn letztlich ist es egal was man macht: Die Leute reden doch.

Als Vater in Elternzeit von mehr als einem Jahr repräsentiere ich etwa zwei bis drei Prozent aller Erziehungsberechtigten. Wenn man dann sein Kind nicht mit zwei in die Krippe gibt ist man praktisch ganz allein und in einer Kleinstadt wie unserer herrscht auf dem Spielplatz nur Stille.

Diese Einsamkeit ist eigentlich das was mir meine Elternzeit besonders erschwert. Natürlich habe ich jetzt mit zwei Kindern sowieso nicht mehr soviel Zeit wie beim ersten Kind um mir darüber Gedanken zu machen, aber dennoch. Man muss schon sehr aktiv sein um überhaupt neue soziale Kontakte aufzubauen.

Und dabei ist es nicht nur so, dass man als Mann nicht unbedingt überall hin eingeladen wird, eventuell findet es auch die eigene Partnerin nicht in jedem Fall gut, wenn man sich mit anderen Müttern (Frauen) trifft.  Erschwerend kommt auch hinzu, dass die Kinder natürlich für Gemeinsamkeiten sorgen, die Gesprächsthemen zwischen Frauen und Männern aber trotzdem nicht immer harmonieren.

Wie dem auch sei: Da muss man durch. Für alles was länger als ein Jahr dauert sollte man sich aber einen Plan B machen.

Als Mann in Elternzeit lernt man viel neues. Kochen gehört dazu.

Wer bringt den Müll raus?

Ich würde sagen: Müll rausbringen ist ein typisch männlicher Bestandteil der Hausarbeit. Wie ist das aber, wenn die Rollen getauscht sind? Wer bringt dann den Müll rauss?

Oder wer dekoriert die Wohnung mit Blumen und Weihnachtsschmuck? Und wer muss die Kinder davon abhalten dies nicht als Spielzeug zu betrachten?

Oder wer kauft die Kinderklamotten, ganz tolle süße Sachen mit Knöpfchen und Rüschen oder so modisch engen Hosen, dass ein dreieinhalbjähriger sie noch nicht mal alleine anziehen kann?

Und bringt mir meine Frau eigentlich ab und zu Blumen mit?

Rollentausch

Eine feste Rollenverteilung empfinde ich als das Allerwichtigste. Gerade wenn man die Rollen tauscht. Klingt absurd ist aber beziehungsfördernd. Oftmals orientiert man sich unbewusst an dem Rollenbild, das man selbst als Kind kennengelernt hat. Wenn man aber als Mann die Familie managt, darf man auch bestimmen wie die Sofakissen zu liegen haben und welche Kleidung die richtige für das Kind ist. Ich hätte niemals gedacht, dass diese Themen mich einmal so beschäftigen könnten.

Doch egal ob in Elternzeit oder nicht, man muss sich mit der Frage auseinander setzen, wo man sich als Mann in der Familie wiederfindet. Auch darum kann ich Männern die über eine Elternzeit von einem Jahr oder länger nachdenken nur empfehlen: Plant alles ganz genau und dann lasst es einfach laufen, es kommt sowieso anders.

Hilfe

Während man das erste Kind nach einer Eingewöhnungszeit zumeist noch gut alleine betreuen kann, braucht man beim zweiten Kind Hilfe. Macht die Situation nicht mit euch alleine aus, sondern fordert diese Hilfe bei eurer Partnerin (Familie, Freunde) ein. Das gilt natürlich umgekehrt genauso.

Ihr wollt als Mann Elternzeit nehmen und habt weitere Fragen? Dann nutzt einfach das Kontaktformular.

Die Entscheidung, ob man als Mann Elternzeit machen sollte kann dir keiner abnehmen. Ihr müsst beraten, was für eure Familie am besten ist. Der Rest kommt von alleine.

Alles Gute.

Der Väterverein - weil Familie wichtig ist.
Der Väterverein – weil Familie wichtig ist.

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